Unfruchtbarkeit (Infertilität) liegt vor, wenn ein Paar trotz regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs über mindestens ein Jahr hinweg keine Schwangerschaft erreicht. Früher reichte bei Frauen bereits ein Zeitraum von sechs Monaten, doch mittlerweile besteht weitgehender Konsens, auf mindestens ein Jahr zu warten.
Trotz verbesserter Lebensbedingungen haben viele Paare weiterhin mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen. Diese kann auf verschiedenen Ursachen beruhen oder völlig unerklärlich sein. Sie kann in jeder Altersgruppe und sozialen Schicht auftreten, nimmt jedoch im höheren Lebensalter häufiger zu.
Unfruchtbarkeit kann aus Problemen bei männlichen wie weiblichen Fortpflanzungsorganen resultieren und durch unterschiedliche Kombinationen von Ursachen ausgelöst werden – teils bestehen jedoch gar keine organischen Störungen. Moderne Medizin bietet inzwischen vielfältige Lösungswege.
Bei ausbleibender Schwangerschaft nach einem Jahr regelmäßiger, ungeschützter Sexualkontakte sollten Paare einen Gynäkologen, Andrologen oder eine spezialisierte Kinderwunschklinik aufsuchen.
Besonders dringlich ist eine frühzeitige Abklärung bei:
Schmerzhafter Menstruation,
Unregelmäßigen Zyklen,
Endometriose (z. B. Schokoladenzysten),
Wiederholten Fehlgeburten (>2),
Niedriger Spermienzahl,
Prostataproblemen oder
Sexuellen Funktionsstörungen (Erektions- oder Ejakulationsstörungen).
Eine Verdachtsdiagnose reicht nicht:
Zur sicheren Infertilitätsdiagnose sind diverse Untersuchungen obligat:
Anamnese und körperliche Untersuchung
Spermiogramm nach 3–7 Tagen Enthaltsamkeit
Ovulationsnachweis: Hormonwerte oder Ultraschall
Hormonstatus bei Zyklustagen 2–5 zur Abschätzung der Eizellqualität
Hysterosalpingographie (HSG) zur Überprüfung der Durchgängigkeit der Eileiter
Nach Diagnose wird eine individuell abgestimmte Therapie geplant, da jede Paar-Konstellation einzigartig ist.
Entscheidende Faktoren im Behandlungsprozess:
Fachliche Qualifikation des behandelnden Arztes
Maßgeschneiderte Behandlungsstrategie
Dokumentierte Erfolgsraten
Behandlungsdauer und Terminplanung
Aufklärung über Medikamente
Kostenfragen
Drei Hauptbehandlungswege:
Medikamentöse Therapie
Chirurgische Eingriffe
Assistierte Reproduktion (IUI, IVF/ICSI)
1. Medikamentöse Therapie
Hauptsächlich bei Frauen eingesetzt;
Selten bei Männern erforderlich;
Nebenwirkungen wie Übelkeit, Hitzewallungen möglich – ggf. Dosisanpassung notwendig;
Bei idiopathischer Infertilität evtl. ineffektiv allein.
2. Chirurgische Therapie
Indiziert bei Endometriose, Myomen, Polypen, strukturellen Fehlbildungen;
Ziel: operative Korrektur zur Verbesserung der Fruchtbarkeit.
3. Assistierte Reproduktion
a) Intrauterine Insemination (IUI)
Bei männlich bedingter Infertilität;
Hormonelle Stimulation – Ovulationsauslösung;
Spermien werden in die Gebärmutter injiziert;
Schmerzfrei, ambulant;
Bis zu 6 Zyklen möglich, meist nach 2–3 erfolglose Zyklen erfolgt Wechsel zu IVF.
b) In-vitro-Fertilisation (IVF/ICSI)
Bei erfolgloser medikamentöser oder chirurgischer Therapie;
Eigene Eizellen und Spermien werden im Labor befruchtet;
Embryotransfer in die Gebärmutter;
Schwangerschaft verläuft nach Übertragung wie eine natürliche;
Alter und Eizellreserve sind entscheidende Einflussfaktoren;
Auch nach Scheitern können Zyklen nach 2–3 Monaten wiederholt werden.



